Lachtherapie und therapeutischer Humor

„Humor ist die Waffe der Seele im Kampf um Selbsterhaltung.“

Viktor E. Frankl

Lachtherapie klingt für viele Menschen zunächst seltsam, geradezu komisch, und es scheint schwer vorstellbar, was das für eine Therapieform sein soll. Lacht da der Therapeut oder der Patient? Beide? Oder hat dabei keiner mehr was zu lachen – entweder schon vor, oder spätestens nach einer Lachtherapie?

Es handelt sich bei der Lachtherapie und dem therapeutischen Humor jedoch um eine überaus seriöse Angelegenheit. Die Wissenschaft hat sich in den letzten vierzig Jahren verstärkt damit beschäftigt, auf welche Weise Humor und Lachen für den Heilungsprozess förderlich sein können. Die Anwendung von Lachen und Humor wird in verschiedenen Therapieformen, in Einzel- und in Gruppensitzungen, bei der Behandlung von psychischen und organischen Krankheiten eingesetzt.

Der therapeutische Humor steht im Einklang mit den Bedürfnissen des Patienten und fördert eine offene und ehrliche therapeutische Beziehung. Der Therapeut lacht nicht über den Patienten, sondern mit ihm. Der befreiende Effekt des Lachens tritt ein – ein Mensch, der über sich selbst lacht, kann sich ein Stück von seinen quälenden Problemen entfernen. Aus dieser Distanz vermag er oft die Situation neu zu beurteilen und Auswege zu erkennen. Therapeutischer Humor hilft dabei, Probleme mal aus einer anderen, weniger ernsten, Perspektive zu betrachten und regt den Prozess der Selbsterkenntnis auf spielerische und ungewöhnliche Art an.

Dr. Michael Titze, Diplom-Psychologe, Psychotherapeut und Humorforscher, beschreibt in seinem Buch „Therapeutischer Humor“ (Titze und Eschenröder, 1999) elf verschiedene Therapieformen, bei denen die heilende Kraft des Lachens und des Humors gezielt eingesetzt werden. Beispielhaft werden hier nur einige von ihnen genannt:

  • Logotherapie
    -    Begründet von dem Wiener Psychiater Viktor E. Frankl (1905-1977)
  • Provokative Therapie
    -    in den 60er Jahren durch den Sozialarbeiter Frank Farrelly, USA, entwickelt (oft auch als ProSt, provokativer Stil, bezeichnet)
  • Rational-emotive Therapie, RET
    -    In den 50er Jahren entwickelt von dem amerikanischen Psychologen Albert  Ellis (geb. 1913)
  • Gestalttherapie
    -    In den 40er Jahren von dem Psychiater Fritz Perls (1893-1970) in den USA entwickelt

„There isn't much fun in medicine,
but there's a heck of a lot of medicine in fun.“

Josh Billings

Humor in der Medizin lässt sich in den einzelnen Fachgebieten mit unterschiedlicher Wirksamkeit einsetzen – in der Chirurgie sicherlich weniger, wohingegen er bereits in den Informationsgesprächen vor einer Anästhesie helfen kann Ängste zu  reduzieren. In der Inneren Medizin, der Neurologie, der Psychiatrie, der Geriatrie, der Pädiatrie kann und sollte er dafür umso mehr als zusätzliche heilungsfördernde Maßnahme eingesetzt werden.

Beispiele möglicher Einsatzgebiete für therapeutischen Humor in der Medizin

  • Bei  (somato)psychischen Störungen
  • In der Behandlung der Balbuties (Stottern)
  • Bei Patienten mit chronischen Erkrankungen
  •  In der Behandlung von älteren Menschen, in der Gerontologie und Gerontopsychiatrie
  • Als Prophylaxe gegen Stressbelastung beim medizinischen Personal
  • In der Krankenpflege
    • Die daraus resultierende positive Grundstimmung entlastet das Klinikpersonal, ist sinnvoll als Präventionsmaßnahme gegen das Burn-out-Syndrom und hat auch nachweisbar therapeutische Wirkungen auf die Patienten
  • In der Behandlung hospitalisierter Kinder
  • In der Heilpädagogik
    • Auch in der therapeutischen Arbeit mit Kindern spielt Humor eine wichtige Rolle
  • In Gesprächen mit Angehörigen der Patienten
  • In der Palliativmedizin

Beispiele für den Einsatz von Lachtherapie und Lachyoga in der Medizin und Psychologie

  • Bei chronischen Schmerzpatienten, in der Schmerzambulanz
  • In der Onkologie
  • Bei Atemwegerkrankungen, chronischem Asthma etc.
  • Bei Diabetes-Patienten
  • In Reha-Kliniken
  • In Selbsthilfegruppen
  • Als Anti-Stress-Maßnahme für Mitarbeiter in medizinischen Berufen